Podcast zum Tag der Organspende 2009: Studiogespräch mit Betroffenen und Ärzten
Podcast zum Tag der Organspende 2009: Studiogespräch mit Betroffenen und Ärzten
Münster/ Dortmund/ Mönchengladbach/ Wadersloh/ Hamburg/ Wettringen: Zum Tag der Organspende 2009, der in diesem Jahr am 06. Juni stattfindet, haben Betroffene eine Radiosendung erstellt. Im Studiogespräch, das am 09.05.2009 im Medienforum in Münster aufgezeichnet wurde mit dabei:
Dirk und Michael Balke aus Mönchengladbach und Dortmund:

(Michael und Dirk Balke in „Das Quitz mit Jörg Pilawa“ im Fernsehen.
Foto: Das Erste)
Die beiden Brüder erlebten 2002 eine Lebertransplantation in unterschiedlichen Rollen: Michael Balke litt an einer sehr schweren Lebererkrankung, welche eine Transplantation notwendig werden ließ. Bruder Dirk entschloss sich seinem Bruder durch eine so genannte „Lebend-Leberspende“ das Leben zu retten. In zwei großen Operationen am Universitätsklinikum in Essen unter der Leitung von Prof. Dr. Christoph E. Broelsch wurden ein Teil der Leber von Dirk Balke transplantiert, und führte zu dem Ergebnis, dass Michael Balke wieder gesund wurde und als Finanzrichter arbeiten kann. Die beiden Brüder engagieren sich seither für Verbesserungen im deutschen Transplantationsrecht. Michael Balke kandidiert als parteiloser Kandidat in einem Dortmunder Wahlkreis für den Bundestag.
Dr. med. Cordula und Dr. rer nat. Werner Joraschky aus Wadersloh:
Cordula Joraschky litt an einem melonengroßen Tumor an der Leber, bevor sie bereits 1999 eine Lebendleberspende von ihrem Sohn erhielt. Das Ärzteehepaar aus dem westfälischen Wadersloh erzählt eine unglaubliche Überlebensgeschichte darüber, wie Prof. Dr. Broelsch mit seinem Team am Universitätsklinikum in Essen die Leberspende des eigenen Sohnes transplantierte und ihr das Leben jetzt schon seit zehn Jahren gerettet hat.

(V. l . n. r.: Dr. rer. nat. Werner Joraschky, Dr. med Cordula Joraschky, Prof. Dr. med. Dr. h. c. mult. Cristoph E. Broelsch, Ulrich Coppel
Foto: privat)
Holger Fröhlich aus Wettringen:
Der Krankenpflegeschüler am Mathias-Spital in Rheine hat sich bereits zum wiederholten Mal im Rahmen einer so genannten Facharbeit mit dem Thema Organtransplantation befasst. Angesichts des massiven Mangels an Spenderorganen fordert Holger Fröhlich, dass Information und Aufklärung über das Thema in den Lehrplänen aller Weiterführenden Schulen in Deutschland festzuschreiben ist.
(Holger Fröhlich Foto: privat)
Dr. med. Theodor Windhorst: Der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, welcher ebenfalls Mitglied des Vorstandes der Bundesärztekammer ist, fordert vehement Verbesserungen im Transplantationsrecht. Vor dem Hintergrund dessen, dass allein in Deutschland jeden Tag 3 Menschen sterben müssen, weil sie nicht mehr rechtzeitig ein Spenderorgan zugeteilt bekommen, erläutert er die Zusammenhänge.

(Dr. med. Theodor Windhorst
Foto: Ärztekammer Westfalen-Lippe)
Windhorst: Volksentscheid über „Informationslösung“
In Deutschland gilt die so genannte „erweiterte Zustimmungslösung“ als gesetzliche Voraussetzung für die Organspende bei Hirntoten Spendern. Das heißt, dass Hinterbliebene von kurz zuvor verstorbenen Patienten dann über dessen mutmaßliche Bereitschaft zur Organspende entscheiden müssen, wenn der Verstorbene keinen Organspendeausweis hat, aus dem dessen Wille hervorgeht. „Für die Hinterbliebenen ist das die völlig falsche Frage zum völlig falschen Zeitpunkt. Ich halte das für eine absolut unfähige Sache auch von den Gesetzgebern, dass man das billigend in Kauf nimmt bei dieser Lösung.“ Windhorst fordert daher eine Gesetzesänderung im deutschen Transplanationsrecht, so wie sie in vielen europäischen Nachbarländern bereits gilt. Das heißt, dass Organspenden bei einem verstorben Spender dann möglich wären, wenn er zu Lebzeiten dem nicht widersprochen hat: "Unsere Lösung heißt Informationslösung. Sie heißt nicht mehr Widerspruchslösung. Wir haben das aus Gründen einer Fehlbesetzung, auch einer psychologischen Fehlbesetzung gemacht. Aber man muss eine Information hinterlegen: Ich will nicht." - Dies dann, wenn man einer Organspende nach dem eingetretenen Hirntod widerspricht. Stellvertretend sollten Hinterbliebene eine Art „Vetorecht“ erhalten. Eben weil 80% der Bevölkerung der Organspende positiv gegenüber stehe, aber nur 14% der Bevölkerung auch einen Organspendeausweis habe, und weil die Einführung des Transplantationsgesetzes durch den Gesetzgeber (erweiterte Zustimmungslösung) in Deutschland nicht die erhoffte Steigerung der Spenderaten erbracht habe, erwägt Windhorst einen Volksentscheid über die Einführung einer solchen "Informationslösung" durchzuführen. In Nachbarländern, in denen dies bereits Gesetz sei, liegen die Spenderaten deutlich höher als in Deutschland. Deshalb warten Patienten dort erheblich kürzer auf ein Organ, und es kann mehr Menschen durch Transplantationen das Leben gerettet werden.
Prof. Dr. med. Dr. Dieter Bröring, kommissarischer Direktor der Klinik für Abdominal- und Thoraxchirurgie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel

(Prof. Dr. Dr. med. Dieter Bröring Foto: UK-SH)
Der Spezialist erläutert die Notwendigkeit gesetzlicher Änderungen, damit mehr Organspenden möglich werden. Er
erklärt ferner, dass neben mehr Organspenden von Verstorbenen aber auch mehr Transplantationen von lebenden Spendern eine Möglichkeit sind den „Tod auf der Warteliste“ zu vermeiden. Es gibt für die Zukunft große Hoffnungen Organe von Lebend-Spendern speziell für den Empfänger vor der Organspende quasi impfen zu können. Insofern besteht die Hoffnung darauf, dass die medikamentöse Immunsuppression, die heute nach der Transplantation für die Empfänger notwendig ist damit sie die Organe nicht abstoßen, zukünftig minimiert werden kann.
Ein Highlight am Rande: Für das Musikprogramm der Sendung haben sich die Macher etwas ganz besonderes Einfallen lassen: Die Ton- und Klangmeditation „Deus creator omnium“ für Soloflöte und Elektronik des Komponisten Thomas Lischik wurde speziell für diese Sendung neu aufgenommen. Solist Christoph Bumm-Dawin spielt darin die Flöte.
(Thomas Lischik Foto: privat)
(Christoph Bumm-Dawin Foto: privat)
Moderation Schnitt und Regie der Sendung:
Ulrich Coppel
(Ulrich Coppel: Foto: privat)
Die Sendung ist eine Produktion des Medienforum Münster/Westf. Technik: Klaus Bloedow. Herzlichen Dank dafür!!!
(Klaus Bloedow Foto: privat)
->TIPP: Podcastepisode via „itunes-podcast“ im Vollbildschirm:
In „itunes“ unter Podcast -> Podcast abbonnieren den folgenden Link eingeben:
http://ulrich-coppel.de/www.ulrich-coppel.de/Transplantation/Transplantation.html
oder auf dieser Seite hinter dem Link „Transplantation“ (oben auf dieser Seite!) das violette Podcastzeichen (abbonieren) anklicken. Dies funktioniert aber nur dann, wenn „itunes“ installiert ist.
„itunes“ wird hier zum Download angeboten (kostenlos)
„itunes“ für Mac + PC (Windows)
Zur Situation der Organspende 2009
Dienstag, 2. Juni 2009
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