Landgericht Hamburg: WDR muss gleich zwei „Monitor“-Berichte widerrufen/ Widersprüchliche Pressemeldungen über Führungspositionen verschiedener Kliniken bei der Lebertransplantation
Landgericht Hamburg: WDR muss gleich zwei „Monitor“-Berichte widerrufen/ Widersprüchliche Pressemeldungen über Führungspositionen verschiedener Kliniken bei der Lebertransplantation
Kiel/ Hamburg/ Essen: Prof. Dr. Dieter Broering ist Transplantationsmediziner am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel. Tag und Nacht kämpft er um das
Überleben seiner schwerstkranken Patienten aus aller Welt: Eine Lebertransplantation ist ein lebensgefährlicher Eingriff, bei dem vor Allem eines zählt: Die Erfahrung der Chirurgen, die sie durchführen. Sein besonderer Schwerpunkt ist die Leber - Lebendspende. Für diese hochspeziellen Leber - Lebendspendeoperationen kommen Patienten aus aller Welt nach Kiel. Den Patienten, die sich dieser Operation unterziehen müssen, damit sie überleben können, ist eben dafür kein Weg zu weit.
Im Rahmen dieses Leber - Lebendspendeprogramms kam es von Seiten der Redaktion „Monitor“ des Westdeutschen Rundfunk zu falschen Verdächtigungen und unwahren Berichten, die jetzt zu einem Widerruf der Redaktion Monitor geführt haben. Prof. Broering hat sich nach Ausstrahlung dieser falschen Berichte unverzüglich um schnellst- und größtmögliche Klarstellung und Aufklärung bemüht, z. B. in Form einer Pressekonferenz am Folgetag der Sendung, - aber auch im juristischen Sinne durch einstweilige Verfügungen gegen den WDR gewehrt.
Beschluss des Landgericht Hamburg: „Monitor“ muss Verdächtigungen widerrufen
Durch einen Beschluss des Landgericht Hamburg vom 07.07.2009 wurden diese üblen Verdächtigungen endgültig in das „Reich der Lügen“ verbannt. Der WDR muss diese Skandalberichte der Redaktion „Monitor“ widerrufen. Bereits vor der Ausstrahlung des zweiten Beitrages vom 13.09.2007 wurde die Redaktion „Monitor“ auch von hier aus wiederholt aufgefordert einem bestimmten Hinweis betrefflich der Berichterstattung des ersten Beitrages vom 23.08.2007 nachzugehen, und nach Klärung des Sachverhaltes dann ggf. klarzustellen.
Nachdem dieser Aspekt in dem zweiten Beitrag vom 13.09.2009 keine Berücksichtigung fand, wurde das Schreiben, das zuvor (Tage vor der Ausstrahlung des Beitrages vom 13.09.2007) schon per Email versandt war, und dessen Inhalt darüber hinaus Gegenstand eines vorangegangenen Telefongespräches zwischen einer zuständigen Redakteurin und mir war, sogar noch per Einschreiben versandt.
einlieferungesbelegwdr15.09.07.pdf
„Monitor“ hat sich nach Angaben des Kieler Universitätsklinikums bis heute nicht bei Prof. Broering entschuldigt. Viel wichtiger noch als eine solche Entschuldigung aber wäre es den Widerruf nicht nur im Internetportal der Sendung „Monitor“ eine Zeit lang veröffentlicht zu halten, sondern jetzt freiwillig hinzugehen und dem nach Ausstrahlung der genannten Beiträge massiv verunsicherten Publikum in der Sendung selber gegenüber unmissverständlich etwa folgendermaßen klarzustellen:
„Unsere Berichterstattung war falsch. Denjenigen, die damals reihenweise wütend ihre Organspendeausweise zerrissen hatten (so wie dies zum Beispiel im Forum auf der Internetseite „monitor.de“ zig Zuschauer kund taten) sei mitgeteilt, dass wir falsche Verdächtigungen verbreitet haben. Die 5000 Euro Schadenersatz, die der WDR zahlen musste, und die obendrein noch an einen gemeinnützigen Verein gespendet worden sind, sind gemessen an dem Vertrauensverlust, den unsere Berichterstattung angerichtet hat, lächerlich: Sollte auch nur eine einzige Organspende wegen unserer Berichterstattung vom 23.08.2007 und 13.09.2007 nicht realisiert worden sein, weil Zuschauer ihre zuvor positive Einstellung zur Organspende nach der Ausstrahlung in eine Ablehnende geändert haben, dann wäre der Schaden für die Menschen auf der Warteliste mit keinem Geld der Welt wieder gut zu machen. Es gab und es gibt in Deutschland keine Verteilung von Spenderorganen aus wirtschaftlichen Interessen, sondern ausschliesslich nach den Vorschriften des deutschen Transplantationsgesetzes (TPG).“-
Zumal Patienten aus aller Welt für einen derart schwerwiegenden Eingriff, wie dies eine Lebertransplantation ist, sich nur in die Hände der erfahrensten Ärzte und Zentren begeben wollen, bekommt in diesen Tagen genau dieser Aspekt erneut, aber aus anderem Grunde, Aktualität:
Erfolgszahlen: Widersprüchliche Veröffentlichungen
Der ärztliche Direktor des Universitätsklinikums in Essen Prof. Dr. Gerald Holtmann, reklamierte gegenüber der „Westdeutschen Allgemeine Zeitung“ („WAZ“) am 14.07.2009 für das dortige Zentrum, es sei „weiter führend bei der Transplantation von Lebern“.
Um diese Feststellung zu begründen, bemüht er den Bundesbericht der Bundesgeschäftsstelle für Qualitätssicherung (BQS) für die Lebertransplantation 2008, der dem Essener Zentrum „keine Auffälligkeiten“ attestiert habe. So wird Holtmann bereits im Titel in des Artikels mit der kühnen Behauptung zitiert: „Wir sind besser als zu Broelsch-Zeiten.“
Schon zuvor haben sich Holtmann und andere Vertreter des Universitätsklinikums in Essen gegenüber der Presse mit einer angeblichen europaweiten Führungsrolle ihres Zentrums in der Lebertransplantation nach der Suspendierung des Direktors der Klinik Prof. Dr. med. Dr. h.c. mult. Christoph Broelsch geschmückt.
Wenige Tage nach Veröffentlichung des jüngsten Eigenlobes des Essener Universitätsklinikums erscheint am 17.07.2009 die Pressemitteilung des Universitätsklinikums in Kiel, und widerspricht dem unter Bezugnahme auf genau die gleiche Quelle: Der Bundesbericht der Bundesgeschäftsstelle für Qualitätssicherung (BQS), 2008:
„Beim Vergleich der Lebertransplantationszentren in Deutschland spielt die Überlebensrate von Patienten die entscheidende Rolle: Sowohl 2007 als auch 2008 konnte das UK S-H die besten Überlebensraten in Deutschland nach Lebertransplantation vorweisen. Im vergangenen Jahr konnte das Kieler Team dieses herausragende Ergebnis noch einmal steigern. Mit einer Überlebensrate von 96,3 Prozent (Bundesdurchschnitt 84,8 Prozent) nähert sich das UK S-H als erstes Klinikum in Deutschland dem Idealwert einer 100prozentigen Überlebensrate.“ , schreibt das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UK-SH) auf seiner Homepage.
Welches ist nun das führende Zentrum? Essen? Kiel? Oder vielleicht keines von beiden, sondern ein ganz anderes?Was stimmt nun? Die Antwort auf Fragen dieser Art ist für Wartelistenpatienten von geradezu überlebenswichtiger Bedeutung. Sie haben ein Recht darauf erfahren zu dürfen, wo die erfahrensten und erfolgreichsten Ärzte sind, und welches für sie das führende Zentrum für die bevorstehende lebensgefährliche Transplantation ist. Dies trifft in besonderem Maße deshalb zu, weil die Erfolgszahlen der einzelnen Zentren bei diesem Eingriff deutliche Unterschiede aufweisen. Doch die Bundesstelle für Qualitätssicherung veröffentlicht selber lediglich einen anonymisierten Jahresbericht. (Bezogen auf die einmeldenden Häuser). Intransparenz in diesem entscheidenden Orientierungspunkt ist bedauerlich, besser gesagt für Betroffene in keiner Weise hinnehmbar. Besonders vor dem Hintergrund diverser aktueller sich widersprechender Veröffentlichungen über die Qualität einzelner Kliniken, - ja sogar von europäischer Führungsposition ist die Rede - , gibt dies Raum für makabere Spekulationen.
Dabei muss dies so gar nicht sein: Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) hat die Orientierungsproblematik für Patienten in der Frage: „In welcher Klinik bin ich für meinen Eingriff in den besten und erfahrendsten Händen?“ beispielsweise für sich als Chance erkannt, und veröffentlicht gleich sämtliche BQS/EQS-Berichte vollständig.
So heisst es im Internetportal des UKE denn auch folgerichtig:
Die Einzelauswertungen, auch für die Lebertransplantation, sind im Internetportal des UKE downloadbar, und für jedermann ersichtlich. Warum ist dies bisher nicht Vorschrift für jedes Haus, welches Behandlungen durchführt, deren externe Qualitätsprüfung durch die BQS/ EQS vorgeschrieben ist?
Fazit: Solange dies nicht der Fall ist, sollten wenigstens diejenigen Kliniken, die sich in der Presse mit herausragenden Leistungen unter Bezugnahme auf die BQS-Daten schmücken, diese Berichte - so wie das in Hamburg bereits der Fall ist - veröffentlicht halten. Dies wäre nach der Berichterstattung bzw. Veröffentlichung ihrer durch beide Kliniken jeweils vorgenommenen Eigenbeurteilung auf Grundlage der durch die BQS 2008 ermittelten Erfolgszahlen sicherlich sinnvoll, seriös und notwendig. Im Sinne der nach Orientierung suchenden PatientInnen wäre dies allemal. Seien sie nun aus Deutschland, oder der ganzen Welt.
Münster, 18.07.2009
Ulrich Coppel
Landgericht Hamburg: WDR muss gleich zwei„Monitor“-Berichte widerrufen/ UK- Schleswig-Holstein baut nach eigenen Angaben Führungsposition in der Lebertransplantation aus
Samstag, 18. Juli 2009
Prof. Dr. Dr. Dieter Broering
Foto: UK-SH
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