v. l. Patientenmanagerin Mary Wanjiku Ndirangu, Mohamed Gutale, Salma Foto: Ulrich Coppel
Ankunft am Flughafen Frankfurt: v. l. Patientenmanagerin Mary Wanjiku Ndirangu, Mohamed Gutale, Salma Foto: Ulrich Coppel

Familienzusammenführung geglückt, doch riesige Sorgen bleiben

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Bad Kreuznach/ Mainz/ Nairobi: Unfassbar glücklich waren die zehnjährige Salma und ihr in Bad Kreuznach lebender Vater Mohammed Gutale, als sie sich gegen Mittag des 13. Aprils in der Ankunftshalle des Frankfurter Flughafens endlich wieder in die Arme schließen konnten. Mehr als fünf Jahre hatten die beiden Somalis sich zuvor nicht sehen können. Die Strapazen der mehr als 20 stündigen Reise aus der kenianischen Hauptstadt Nairobi, die lediglich die letzte Etappe nach einer jahrelangen, dramatischen Odyssee durch zahlreiche Länder Ostafrikas darstellte, waren Salma in dieser Situation nicht anzusehen. Ebenfalls nicht, dass sie lebensgefährlich erkrankt ist. Doch nicht nur deshalb müssen sie und ihre Lieben weiterhin bangen.

Die Woche vor Antritt der Reise verbrachte Salma noch stationär im West Hospital in Nairobi, wo sie bis einen Tag vor Reiseantritt immer wieder Bluttransfusionen erhielt. Nur so konnte ihr Zustand für die Reise stabilisiert werden. Ein in Deutschland praktizierender Arzt mit jahrzehntelanger Erfahrung in Ostafrika hatte Ende vergangenen Jahres zur einstweiligen Verlegung nach Nairobi geraten.

Um auch nur die Einreisevisa für das benachbarte Kenia erhalten zu können, traten Salma und ihre sie begleitende Stiefmutter Hafso zunächst, von Äthiopien aus, wo sie seit mehreren Jahren an verschiedenen Orten lebten, eine für sie gleich mehrfach lebensgefährliche Reis in die somalische Hauptstadt Mogadishu an. Dort, das wussten sie, gibt es für Fälle wie Salma überhaupt keine medizinische Versorgung. Mit dem plötzlichen Tod der Mutter und Ehefrau Hodan widerfuhr der Familie 2017 ein erster schwere Schicksalsschlag. 

Bruder von Al-Shabaab entführt

Zudem: Weite Teile des destabilisierten Heimatlandes werden von der fundamental-islamistischen Terrormiliz Al.Shabaab kontrolliert. Drei Jahre nach dem Todesereignis entführte Al-Shabaab Salmas zehn Jahre älteren Bruder Abbas. „Niemand weis seither wo er ist, und wie es ihm geht“, berichtete Mohammed in einem gemeinsamen Gespräch nach Salmas Ankunft in Bad Kreuznach. Noch immer gibt er die Hoffnung nicht auf, seinen Sohn vielleicht doch noch irgendwann einmal wiedersehen zu können. 

Hochzeit in 2020 

Doch 2020 war auch das Jahr in dem Mohammed Hafso kennen und lieben lernte. Bereits zwei Monate später heirateten die beiden. Kaum war das geschehen, bedrohten jedoch Mitglieder von Al-Shabaab Mitglieder Mohammed auch selber mit dem Tod. Sie folterten ihn an einem Arm so schwer, dass er eine lange Zeit in Krankenhaus in Mogadishu verbringen musste. In Todesangst floh er anschließend nach Deutschland, wo er seit 2022 lebt, und ihm, wegen seiner Bedrohtheit im Heimatland, subsidiärer Schutz gewährt wird. Nachdem schließlich auch Salma und Hafso ähnlich bedroht wurden, flohen auch sie 2020 nach Äthiopien. Fünf Jahre verloren sie anschließend wegen der Wirren ihrer Flucht den Kontakt zu Mohammed. 

Über soziale Medien einander wieder gefunden

„Salmas Krankengeschichte begann Anfang 2025 während ihrer gemeinsamen Zeit mit Hafso in Äthiopien. Dort konnte sie sich von immer wiederkehrenden grippalen Infekten, nur sehr schlecht  wieder erholen. Zudem waren ihre Blutwerte sehr schlecht. Als dann auch noch hohes Fieber und innere Blutungen einsetzten, überwiesen sie Ärzte eines Provinzkrankenhauses in eine onklogische Spezialklinik in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abbeba“, berichtet Mohammed weiter. Schnell hätten die dortigen Ärzte nach einer Knochenmarkpunktion den Verdacht geschöpft: „Schwere aplastische Fanconi-Anämie“, und hätten bescheinigt, dass nur die Transplantation von Stammzellen eines anderen Menschen mit hohen genetischen Übereinkünften ihr Leben retten könne. Doch Stammzelltransplantationen seien in ganz Äthiopien nicht möglich, hätten sie direkt dahinter vermerkt. 

Zudem hätten Salma und Hafso noch nicht einmal Geld für jedwede Behandlung. Mit dem Rücken zur Wand hätten sie deshalb einen verzweifelten Spendenaufruf in sozialen Medien gestartet. Rückblickend konnte Salmas Behandlung so in keiner Weise finanziert werden. „Als ich den Spendenaufruf mitsamt Fotos der beiden im Netz entdeckte, war ich einerseits schockiert, und anderseits überglücklich“, den dies sei der Schlüssel gewesen wieder mit Frau und Tochter in Kontakt gekommen zu sein. Forthin habe er den beiden jeden nur möglichen Cent Unterstützung aus seiner festen und sozialversicherungspflichtigen Anstellung in Bad Kreuznach überwiesen. Ihr gemeinsamer größter Wunsch es seither, endlich die Familie wieder zu vereinen, und Salma eine Heilung ermöglichen zu können.

Anwältin koordiniert rechtliche Hilfe

Deshalb kontaktierte Mohammed Gutale auch die auf Ausländerrecht spezialisierte Frankfurter Anwältin Kristina Ratz, welche ihn seither rechtlich unterstützt. Doch den Familiennachzug hat die amtierende Bundesregierung für subsidiär geschützte Geflüchtete wie Mohammed seit dem vergangenen Sommer für die Dauer von zwei Jahren ausgesetzt: Zeit die Salma wegen ihrer Erkrankung nicht mehr hat. Salma kämpft nicht nur medizinisch um ihr Leben, sondern zudem die ganze Familie um Zeit und Geld. Es geht um Alles!

Über Bekannte gelangte Mohamed schließlich an den katholischen Priester Markus Dördelmann, der vormals bereits in ähnlichen Fällen Hilfe organisiert hatte, und nun, gemeinsam mit weiteren Helfern einen Verein aufbaut, der schwerkranke afrikanische Patienten unterstützt. Diese vermittelten Salma und Hafso eine Wohnung in Nairobi, und zudem die Patientenmanagerin Mary Wanjiku Ndirangu, die die beiden während der gesamten dortigen Aufenthaltszeit professionell betreuen sollte.

Doch der zwecks Visaverfahren erforderliche Aufenthalt in Mogadishu dauerte mit zwei Monaten deutlich länger als erwartet. Weil dort die für Salma überlebenswichtigen Blut- und Thrombozytentransfusionen nicht verfügbar sind, war ihr Zustand inzwischen mehr als kritisch. Mit sehr hohem Fieber als Zeichen eines akut drohenden Organversagens, traf Salma, zusammen mit Hafso, schließlich am 21. Februar in Nairobi ein. Sofort vom Flughafen ging es deshalb weiter ins dortige ins West Hospital, um sie dort zu hoffentlich stabilisieren zu können.

Frau Dr. Rohini Radia führt Salmas HLA-Typisierungsabstrich für DKMS im Nairobi West Hospital durch. Foto: Mary Wanjiku Ndirangu

Nun war die inzwischen ebenfalls eingeschaltete DKMS (vormals „Deutsche Knochenmarkspenderdatei“) am Zug, die Salma eine so genannte HLA-Typisierung gemeinsam ihrem Vater ermöglichte, indem sie per Express-Kurier je ein Teströhrchen für Salma nach Nairobi und und ihren Vater nach Bad Kreuznach versandte. Dessen Laborergebnis brachte schließlich die Wende: Salmas für eine Stammzelltransplantation erforderlichen individuellen Gewebemerkmale stimmten in einem ausreichenden Maße mit denen ihres Vaters Mohammed überein. Genau dieser triftige Grund war schließlich der Anlass für eine Familienzusammenführung von Salma und Mohammed, die Rechtsanwältin Ratz deshalb ausnahmsweise unverzüglich erreichen konnte. 

Katholische Kirchengemeinde Heilig Kreuz ermöglicht gemeinnützige Spendensammlung

Doch die wegen Salmas explodierter Behandlungs- und Reisekosten in Äthiopien und Kenia entstandenen massiven Schulden überfordern Mohammed und die ganze Familie so dermaßen, dass sie nicht wissen, wie sie die bislang weit mehr als 22000 geliehenen Euro jemals wieder zurückzahlen können. 

Weiterbehandlung in der Uniklinik Mainz 

v.l. Pfarrer Monsignore Dr. Michael Kneib, Mohamed Gutale, Salma, Mary Wanjiku Ndirangu. Foto: Ulrich Coppel

Deshalb trat Pfarrer Markus Dördelmann an den Bad Kreuznacher Monsignore Dr. Michael Kneib, Pfarrer und Moderator der Pfarrei Heilig Kreuz, sowie Dekan des dortigen Pastoralen Raum heran, und berichtete ihm über diesen außergewöhnlich schweren Fall, direkt vor seiner Haustür. Als Kneib davon erfuhr, eröffnete er sofort den Weg für eine Spendensammlung auf das gemeinnützig geförderte Spendenkonto der Kirchengemeinde. 

Salma wird derweil im Uniklinikum Mainz weiter behandelt, wo einen Monat nach ihrer Ankunft alsbald eine gesicherte Diagnose erwartet wird. Doch dass ihr aller Voraussicht nach nur eine Stammzelltransplantation das Leben retten kann, bestätigen auch die dortigen Ärzte. 

Salma erhält eine Bluttransfusion. Foto: Ulrich Coppel

Wer helfen möchte kann unter dem Verwendungszweck „Salma und Mohamed“ auf das Konto der

Kath. Kirchengemeinde Heilig Kreuz Bad Kreuznach

Sparkasse Rhein-Nahe

IBAN: DE 54 5605 0180 0017 0261 39

eine Spende leisten und eine Spendenquittung erhalten.

Es wird nachberichtet.

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